Dangast Journal IV

IV

 

Das i-Tüpfelchen. Mittlerweile redet man sich ja sämtliche Erneuerungen schön. Dass man davon noch zu profitieren hat, auch als Künstler. Was man einst verpöhnte, was man verschrie, wird nun Objekt schon der eigenen Begierde. Der Wendehals verdreht selbst dem letzten Huhn noch den Kopf, damit er in eine andere Richtung blickt und gar nicht versucht sich anzupassen, sondern ganz opportunistisch sich einreiht in eine Lobhudelei. Dass dies an Vermessenheit schon die geschmackliche Grenze ist. Heute aber sonst schön. Ruhiger Sonnenschein. Nur der ewige Bauer unterwegs. Und natürlich das Gekläffe der Köter allerorts. Hund und Huhn. Dass man sich am besten kaum sehen lässt dieser Tage, auch wenn die Allgemeinheit die Säcke bereits auf hält. Der Startschuss war ja bereits. Na, und von irgendwas muss man ja leben. Gedanken an den totalen Ausstieg aus der Geschäftemacherei. Und auch die Aufgabe der Kunst. Doch! Sich nur noch einer Sache widmen: sich nämlich Luft machen. Und dass es ja auch nur wieder ein Geschäft ist. Von irgendwas muss man ja leben. Wie man einem System entkommt, das sich dermaßen verkrallt hat in die Seelen der Menschen. Dass es lächerliche Auswege gibt, die aber einen zu Tränen rühren, weil da eben ein Mensch steht, der es Leid ist sein Wohl in all den nutzlosen Dingen zu suchen. Dass man als Zivilisationskritiker erkannt wird. Auch ein Künstler, aber sehr verbittert. Er arbeitete als Lehrer, dass die Verbitterung voraus zu sehen war. Wie er dann die Euroscheine zerknüddelt auf den Tisch wirft, im Glauben man erkenne, ich erkenne seine Haltung dadurch. Eigentlich nur armselig und verachtend dem Gegenüber. Auch die Kunst ist ein Geschäft. Alles ist ein Geschäft. Das große Geschäft. Scheiße oder Geld? Seine Redseligkeit war beinahe unerträglich. Hier nun erhielt er Aufmerksamkeit. Dass man sich niemals mit diesen gemein machen dürfe. Außerdem die damalige Blauäugigkeit. Dass man aber ganz ehrlich und ernsthaft das Gespräch suchte. Sicher, heute weiß man es. Dass man sich nun zurück hält, raus hält, aber eben auch weiß. Dass man die Sache nicht vergisst. Die Pflicht zum Ungehorsam (H.A.) Das wäre doch ein Ziel noch. Wieso man eigentlich sich so hat in den Sumpf ziehen lassen? Dass es nichts zu erreichen gibt. Es gibt kein Ziel. Nur den Ungehorsam. Ab ins Wochenende…

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der Reichste im ganzen Land? Überall nur noch Stiefmütter. Dass es der Opportunismus mit seinem riesigen Angelhaken bis in meine Eingeweide schaffte und mir erzählen wollte, was es heisst, als Künstler Geschäfte zu machen. Sich daraus befreien muss mit Schmerzen einher gehen, anders wäre es gar nicht zu ertragen, diese Fehlstellung. Das es tatsächlich eine Gier gibt, die einen jegliche Moral oder Ethik vergessen lässt. Diese mal beim Schopfe packen. Aber am Ende dann doch die Hand ausstrecken und das Glitzern der Goldstücke, die man schnell in die Hosentasche steckt, damit niemand erkennt, dass man einen Schatz bei sich trägt. Dieses Hin und Hergerissen sein. Einerseits zu wissen, welche Übel einem bevorstehen, andererseits aber dann die Annehmlichkeiten irgendwie schon beinahe fast, so unglaublich, genießen. Der Ekel. Auch in den Geschwüren der Landschaft Ausdruck dieser Schizophrenie darstellen. Aber: ach so? Ja! Natürlich, man wollte ja alles nun sein lassen. Kein Scherz! Schluss mit dieser Kritzelei und die ewige Erklärung, dass Kunst nun mal keine Deko ist. Und auch nicht immer verkauft werden muss. Hingegen ist Kunst wie ein T-Shirt mit der großen Aufschrift meines Lieblingsspruchs. Man trägt seine Einstellung spazieren, ganz offensichtlich für alle. Kunst ist nichts weiter als eine Einkaufstüte mit irgendeinem Spruch drauf, der die Meinung des Trägers widerspiegelt. Man trägt praktisch seine Haltung spazieren. Sonst wieder ein typischer Frühlingssonntag. Wahrscheinlich ein großartiges Geschäft heute. Dass man sich eigentlich ganz gut versteckt derzeit und nur noch wenige nicht begriffen haben, dass man zu nichts mehr taugt. Wie leer das Hirn sein kann. Wie gedankenlos der Mensch werden kann, im positiven. Dass man sich lenken lässt von einer unendlichen Flut sinnlos aneinandergereihter Gedanken, die einfach so aus einem heraus fallen. Dass man sich hinreißen lässt von diesen unendlichen Gedanken und tatsächlich glaubt, das sei man selbst. Das sei mein Selbst. Das ist mein Selbst. Das bin ich. Ein Sack voller unsortierter Gedanken, die uns in einem unbewussten Leben gefangen halten. Dass man nicht mehr hin hört.

Dass man aber die Ohren nicht veschliessen kann, es sei denn man stellt sich taub, was ja dieser Tage nicht das schlimmste Übel wäre, weil man dann dem endlosen Strom der Geräusche den Garaus macht. Wie sich aber alles nur im eigenen Hirn abspielt. Dass man sich vorgaukelt, die Welt sei aufmerksam oder höre vielleicht sogar zu, im besten Falle liest sie. Nein, das sind Irrtümer der Gedankenwelt. Irrtümer, des Selbst – nicht mal das! Irrtümer des Egos. Beweise braucht man nicht. Die liefert man sich selbst durch unglaubliche Vorstellungskraft. Außerdem würde man ja angesprochen werden, wenn es tatsächlich sich anders zutragen würde, oder? Der Kosmos ist in mir. Das ganze Universum pulsiert in mir und da draußen laufen sie ihren Geschäften hinter her. Ein Gedankenuniversum, das einen entweder die Sache durch schauen lässt oder in den Wahnsinn treibt. Denn außerhalb dieses Universums geschieht nichts. Alles trägt sich nur im Innern fort. Die Entwicklung vollzieht sich zunächst in den Gedanken, macht sich breit im Hirn und schließlich materialisiert sich der Gedanke. Nicht? Das bedeutet: was ich eben vor mir sehe und höre und wahrnehme, kann mit einem Wimpernschlag vernichtet werden, durch reine Gedankenkraft. Dass man das natürlich nicht steuern kann, noch nicht. Warum? Weil man seinen Grad der Degenerierung zunächst herunter schrauben muss. Beispiele solcher Einstürze ganzer Welten gibt es nicht. Auch wieder nur ein Gedankenkonstrukt, das sich nicht zeigen lässt. Dass es eine Einrichtung gibt, die dies kontrolliert? Wohl kaum. Wie auch, wenn der Mensch derartige Fähigkeiten besitzt? So sitze ich in meinem Universum und unterhalte mich mit mir selbst. In völliger Einsamkeit vegetieren wir so vor uns hin, ohne eine Öffnung zu bilden. Nicht? Aber sonst heute wieder angenehm lau am Wetter. Wenig Vögel nur. Warum? Auch wenig Geräusch von gegenüber. Nur kurz beim Eintreffen dies Geschrei. Erbärmlich laut. Dass man sich dadurch, dass man die Stimme erhebt, Gehör verschafft. Anweisungen? Aufträge? Sicherlich Geschäfte.

Dass man nicht zu weit gehen sollte, nach her entlarvt man sich selbst noch und gibt sich totaler Lächerlichkeit preis. Also den Ball flach halten und den Mund sowieso. Wenn man gefragt wird, höflich antworten. Es gibt keinen Grund ausfallend zu werden, auch wenn man ständig aufgefordert wird, seine zynischen Gedanken hinaus zu posaunen, von einem Selbst, versteht sich. Aber die Achtsamkeit beherzigen dann beiseite treten und mal lauschen, was man von sich gibt oder was das Selbst von sich gibt. Dann doch erschrockenes Innehalten, weil man ja nicht wusste, dass und überhaupt, es ahnte, aber in diesem Ausmaß. Gott, da muss man doch was tun! Was denn? Keine Ahnung. Dass es heute immer noch grau am Himmel ist. Wenige Vogelstimmen. Der Trecker fuhr schon früh hier durch; man bracht die Boot ins Wasser. Der ansässige Yacht Club veranstaltet dabei einen Zirkus und jeder beäugt zitternd den Kran, der ihre schwimmenden Lieblinge durch die Luft hievt und sachte im Wasser absetzt. Dass da bloß nichts passiert. Wind in den Bäumen. Ein Rauschen und ein stummes Nicken. Dass die Ruhe langsam einkehrt und man sich in die Öffentlichkeit begibt. Wochenende und kein Sonnenschein.

Seit drei Stunden fährt der Trecker jede viertel Stunde vor meinem Fenster auf und wieder ab, um irgendeinen Scheiß auf die Wiesen zu werfen, oder was weiß ich? Gelärme allerorts. Und immer wieder dieses Schaffen müssen. Wer denn, in Drei Teufels Namen, nur behauptet hat, man müsse irgendetwas auf diesem Erdenrund leisten? Niemand. Die ewige Geschäftemacherei der Menschheit. So lange bis sie an ihren goldenen Tafeln erstickt. Dass es andere Wege gilt zu erkunden. Hier sind die Pfade ausgelatscht. Nichts Neues zu entdecken. Dass man aufbrechen muss zu neuen Ereignissen, die man selbst bestimmen darf. Und wie man sich seiner bewusst wird durch die Entscheidung gerade jetzt nicht mehr der Mitläufer zu sein. Schluss hier. Wahrheit oder Lüge. Zwischen den dichten grauen Wolken immer mal wieder ein Streif vom blauen Himmel. Auch Sonne. Wie es dann mit einem Mal tönt, aus den Büschen und Zweigen. Vögel, die noch bis vor einer halben Stunde geduckt im Blätterwerk hockten, wippten und warteten. Wie sich die Wolkendecke gleich wieder verschiebt. Dicht an dicht rücken dann die dunklen Gewölleballen, verdunkeln die Welt. Und mittendrin wieder der Trecker auf holperndem Asphalt. Hin und her. Hin und her. Das man fertig werden muss. Womit? Dass es immer was zu tun gibt? Was? Wie dann der Gestank der Abgase durch das offene Fenster weht. Keine Vogelstimme. Verscheucht in tieferes Blattwerk. Die Sonne verschwunden hinter dem schwarzen Band. Auf und zu. An und aus. Hin und her. Gelegentlich Wochenende.

Sommer satt. Mit Wärme in den Bereichen bis zur Unerträglichkeit. Dass man sich schon diese Auswüchse leisten darf/ kann. Schließlich ist man niemandem Rechenschaft schuldig. Vergleiche stehen auch nicht an, wenn dann, nicht von unserer Seite. Und warum auch vergleichen? Mit wem? Dieser Zeichner hatte andere Intentionen sich zu äußern, hat er ja selbst angemerkt: Ego! Dass man da hier weit fehlt. Nun: es gab anderes zu erledigen. Der Tod sitzt da vor der Haustür und klappert mit den Gestängen. Einlass will man nicht gewähren, man denkt es sei noch nicht so weit. Es gibt noch eine Chance. Warum? Und wozu? Eine Chance etwas anders zu machen? Wenn man über Jahrzehnte hinweg es nicht begriff sich aus der Schlinge zu ziehen, wieso dann mit einem Mal so kurz vorm Übergang? Also: Unfug! Es ist einfach an der Zeit. Es gibt keine Pokale abzuholen, keine Trophäen, keine goldenen Preise. Wozu auch? Alles geht zurück in den Dreck, wo es mal her kam. Wie dann aus einem muskelbepackten Kerl ein zusammenhangsloses Gerippe wird, das zu gedröhnt mit Morphium immer auf der Suche nach dem Unsichtbaren ist. Vielleicht das Tor, die Tür, an die man klopfen muss. Aber man will nicht klopfen. Es kann doch noch nicht vorbei sein? Jetzt? So schnell? Oh, doch! Aber gibt es denn keinen anderen Weg? Kommt da nicht noch etwas, auf das ich so lange gewartet habe? Nö! Nichts!

Der Mäher dröhnt und erinnert an Enzensberger. Wir stehen mitten im Samstag und rupfen an den Erledigungen herum. Ob man noch etwas schafft dieser Tage? Was weg ist, ist weg. Und dann kommt was Neues! Und so geht es munter fort. Wie man dann zum Abschluss nach einer Rundung sucht, einer Verbindung zu den wirren Gedanken; und dass da nichts ist. Alles so wie wir es gewählt haben. Entscheidung, Handeln und Ergebnis. Ganz einfach eigentlich. Dass er sich langsam erhebt und die Sense als Stütze nutzt. Müde Knochen vom ewigen Einsammeln… dass man nicht müde wird nach Bildern zu suchen und wie es am Ende dann doch nur wieder Reproduktionen sind. Man hat zu akzeptieren. Der Mäher ruhig jetzt. Fast wie ein Sonntag in der Nachbarschaft. Viel Gebrumme von den Insekten. Auch das Rauschen der Motoren…

Von der Zeit. Hornissen unter´m Dach. Von nebenan das Gezische des Trennschleifers. Nicht eine Stimme, da schafft man dann was weg. Ohne das ewige Reden. Heute wieder simple Beweise für Ursache und Wirkung und dass man sich am Ende nur über sich selbst ärgert. Über Nacht bliebe die Tür zur Küche auf, weil man ja die süße Katze nicht einsperren wollte. Prompt saß am anderen Morgen eine Maus auf dem Küchentisch, was elendes Geschrei verursachte. Alles Ursachen unüberlegter, dümmlicher Handlungen, wahrscheinlich aus Faulheit oder Überheblichkeit. Dann hat man eben das Resultat ganz dicht vor Augen. Das Resultat für all seine Gedanken(losigkeit), für sein Handeln und Tun. Da! Bitte! Aufwachen… Ab und zu Nuscheln und Stimmengewirr. Nichts Aufdringliches, nur so Geraune… Alraune Geraune. Das Wetter ohne Unterlass gut. D3 satt und die Sprüche der Heiler werden nicht weniger. Allerorts Verkünder großer Ereignisse, die sich praktisch nie als Wahrheit entpuppten. Und dieser ganze Unsinn. Ob es jemanden auffällt, dass eigentlich jeglicher Unfug an Glaube und Religion, an Gewalt und Verbrechen, an Ausbeutung und Dekadenz all das samt und sonders aus der Neuen Welt stammen? Egal! Tauben im Busch. Reife rote Beeren und schon früh am Morgen zeigt sich, wer der Stärkere ist.

Nuscheln am Fenster. Und auf Veranstaltungen. Dass man sich gar nicht mehr zu wundern braucht, weil sie sich eh alle selbst entlarven; mit einem hämischen Grinsen. Was einen antreibt jemanden auf seinen Wirkungsradius aufmerksam zu machen? Selbsterhöhung. Auf alle Fälle tragisch und da holt man dann auch die Mitleidsmiene heraus und verabschiedet sich schnell, am besten wortlos. Kauderwelsch, was überhaupt nicht registriert wurde, meinerseits. Aber immer genügsames Weiterquatschen als hätte man sich dauernd und überall mitzuteilen. Ausschau nach etwas anderem außer Worte, großspurige Worte, die Beweis genug sind. Was macht er denn? Was kann er denn vorweisen? Ich meine, er redet nur, unentwegt dies Gerede, dass einem die Wortmaden aus den Ohren krabbeln. Man weiss gar nicht mehr, wie man sich noch schützen soll. Aber das Wetter. Sommer und angenehme Temperaturen. Die Baustelle immer noch Baustelle. Das Nuscheln nie zu überhören; wie ein Mantra, das sich ins Hirn dreht. Und dann das Radio nun auch noch. Um sieben Uhr das Geplapper der Moderatoren. Sie geben sich informiert. Bei den Nachrichten denkt man, sie verstünden gar nicht mehr, was sie da noch lesen. Einfach nur plappern, Autosuggestion. Ins Koma, oder so? Eigentlich geht es uns gut, aber wir brauchen mehr Überwachung.

Dass man dann nach langer Zeit, wohl ein Jahr, jemanden trifft, der einen begrüsst, freundlich abschätzend, lächelnd auch, Hand reichend und eigentlich erwartet man einen angeregten Austausch. Dass die Unsicherheit aber im Gesicht geschrieben steht, was man weiss und was nicht, dass man die Absicht schon entdeckt und dann auch prompt die Vermutung bestätigt bekommt. Was für ein jämmerliches Selbst so voller Zweifel und dass man registriert, wie man innerhalb kurzer Zeit in einen Haufen Scheiße verwandelt wird, nur weil man den Gegenüber verunsichert. So etwas nenne ich mal einen menschlichen Umgang erster Güte, der eigentlich nur noch durch einen Hieb und einen Stoss verschärft werden könnte. Erkläre dich!