Dangast Journal III

III

 

Am Ende steht da nur das Goldene Kalb. Dass man seinen Ehrgeiz verloren hat, wenn man mal begreift, wozu wir all diesen Müll gelernt haben. Am Ende… da interessiert mich das nicht mehr. Das Gelernte für die Wirtschaft. Das Eisen-Kohlenstoff-Diagramm. Die Funktionsweise eines Hochofens. Überflüssig wie das Kaugummi an der Schuhsohle. Dass es tragisch ist, so einen Umstand zu entdecken und aus diesem Dilemma wieder heraus zu finden. Was man lernen soll oder sollte, bestimmt man nun selbst? Begreifbar machen, was hier vor sich geht. Die Revolution von unten gibt es nicht. Sie sind fleißig wie eh und je. Wie sollten sie auch auf den Gedanken kommen, wo ihnen diese Gedanken genommen wurde. Ein Drehbuch a la Hollywood. Ent Täuscht. Heute wieder Sonne. Aber unten, am Deich, am Wasser, wo auch schon wieder mit Gerät hantiert wird, Wind und Kälte. Der Blick eines Schafs. Was man nun machen soll? Erst glauben, dann hoffen und am Ende verzweifeln? Nirgends eine richterliche Instanz auszumachen. Alles geschieht öffentlich. Das ist ja das Fatale, dass es niemand bemerkt, weil man ihnen das Hirn geraubt hat. Oder sie ließen sich berauben; sie ließen sich verführen. Am Ende der Aufklärung steht das Goldene Kalb.

Die Bedeutungslosigkeit der Feiertage. Die komplette Fehlinterpretation der Bibel. Der Glaube an ein weiteres Leben in einem anderen Körper. Das Buch Mormon. Die ständige Selbstüberschätzung der Menschen. Die Selbsterhöhung. Wenn der Gedanke sich materialisiert. Wenn die gedachte Welt zu Wirklichkeit wird. Ostern steht vor der Tür. Das Lamm Gottes wird mal wieder geschlachtet und verspeist. Am Ende der Erkenntnis steht das Handeln.

Gespenster allerorts. Warum man sich nach Freundschaft sehnt. Wie die Welt zusammen halten? Warum man sich ein eigenes Bild der Zustände machen muss. Warum man sich immer ein eigenes Bild machen muss? Wie die Gespenster vertreiben? Wie die ollen Quacksalber verbrennen und endgültig vernichten? Die Gespenster in mir und in dir. Keine Doppelgänger, keine anderen Welten… nichts als Gespenster.

Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Selbst während des Gangs eben etliche Blickkontakte, die nur auf eines schließen lassen: Es ist Ferienzeit. „Beim nächsten Mal geben se aber einen aus!“ Wieso ich denn? Das laute Scheinen der Sonne am Sonntagmorgen, wie man sich jetzt schützt, auch vor dem Tag. Wieso eigentlich früh angelegte Eigenschaften wo gut wie gar nicht abgelegt werden können. Dass man am Sonntag, dem heiligen Tag, dem Tag, an dem irgendwer mal sagte, heute braucht ihr nicht zu funktionieren, heute schenkt ihr eure ganze Aufmerksamkeit dem Herrn, dem, der alles hier errichtet hat. Und dann marschieren sie in die großen dunklen Kathedralen und auf ihren Knien bitten sie um Vergebung für Taten, die sie nie begangen haben; warum man an diesem Tag auch noch etwas schaffen muss. Gene, sagen die einen. Dass wurde schon früh angelegt. In eine Familie hinein geboren, die ihr ganzes Dasein nur an dem bemessen hat, was sie geschafft haben; und wenn es nur das Ausklopfen der Matte vor der Haustür  war. Die sich am Morgen Notizen machen, was zu erledigen ist. Im Supermarkt eine junge Frau, vielleicht Mitte zwanzig […] und ihr Mann, gleichaltrig;  er schiebt den Einkaufswagen und sie geht vorweg mit einem großen Zettel in der Hand. Dass die nicht draußen herum springen und singen und leben und tanzen und Spiel und Spaß genießen. Dass die Mutter ebenso damals herum lief. Dass es tragisch ist, wie schnell man sich den Gegebenheiten anzupassen vermag. Und dann an der Decke im Supermarkt. Lautsprecher. Man hört das Summen einiger Konsumenten. Wie sie singen beim einkaufen. Dass sie hier und jetzt ihre Belohnung erhalten für all ihre Mühen in der vergangenen Woche. Nächste Woche dann wieder. Fassungslos über die Jugend. Am Strand dicke Mädels mit mobilen Telefonen in den Händen. Der Blick nur auf das Display. Drüben die Lämmer. Beim Sielhafen öffnet sich ein Tor. Der Kutter liegt platt im Wasser. Keine Regung. Nicht mal der Wimpel an der Stange wedelt. Dass man das Leben so vorbei rauschen lässt. Wieder und wieder. Die Abende in völliger Abgeschiedenheit und mit Blick auf eine Welt, die es vielleicht gar nicht gibt. Jedenfalls nicht real. Hier und jetzt existiert nur der Bildschirm. Das, was da flimmert, ist Sehnsucht. Der Trecker, natürlich, Sonntag begleitet der Bauer das Vieh hinaus auf die Wiese. Das Geknatter hört man weit über die Felder. Die sonntäglichen Felder. Mitten hinein das Zwischtern der Vögel, die sich endlich wieder hinaus wagen und gleich wieder vertrieben werden aus den Hecken und Büschen. Der kläffende Hund. Das ewige Rauschen im Kopf. Eigentlich lässt sich dieser Tag an Sinnlosigkeit durch nichts überbieten. Dass es Kraft kostet sich zu befreien. Dass das Leben aber dazu gemacht ist, seine Kraft einzusetzen. Dass man sich immer wieder hinaus wagen muss, um sehen zu lernen. Um zu sehen, was da draußen vor sich geht. Das Inspizieren. Wie manche dann herein schauen; man erkennt sofort den prüfenden Blick. Alles Gespenster.

Entwarnung: grauer Himmel, am Horizont nur ein kleiner Lichtstreifen. Das weiße Gesicht verschwunden. Stimmengewirr von gegenüber. Knattern der Karren über Asphalt. Regen im Anmarsch. Und mittendrin das Gackern der verunsicherten Konversationäre. Heute also die Barrikaden hoch gebaut. Fenster verrammelt und die Töne ausgesperrt. Alles Beseelte muss sterben. Dass hier die Pflanzen eingehen; über den Winter haben sie sich eine Krankheit eingefangen. Was, weiß man nicht. Man schneidet kurzerhand die Stengel runter, ab in den Kompost und die kontaminierte Erde wird im Garten entsorgt. Macht wenig Sinn, aber man sagt da besser nichts dazu. Ein leichter Wind vom Meer her und Bewegung in den Bäumen. Die weißen Blüten vorm Haus winken ständig zum Fenster herein, als bettelten sie um Aufmerksamkeit, wie alle. Man hat Interesse am Morbiden. Glück und Lebensfreude sind nicht für den Menschen gemacht. Dass man sich oft fragt, ob es überhaupt möglich ist Glück zu empfinden? Dass unser Gefühl so eng mit Wünschen und Erwartungen verbunden ist, die aber nie bedient werden. Stattdessen kommt man immer mehr auf den Trichter, dass es keine Hilfe gibt. Es wir keine Hilfe kommen. Der Rettungswagen vielleicht, wenn man ihn ruft, aber auch der wird das Leid nicht mindern oder gar Glück im Gepäck mitbringen. Es wird keine Hilfe kommen. Dass man sich bewusst machen muss, wie unterschiedlich die Auffassungen vom Lebenssinn sind. Dass es keinen Sinn macht sich im Vergleich zu anderen aufzustellen. Stattdessen gegen alle am besten. Immer die andere Meinung ignorieren. Scheint einen Ausweg aus dem Käfig zu bieten. Dass es nur darum geht die Angst zu verlieren.

Komplette Entwarnung und Auflösung maximale, was sämtliche Befürchtungen betraf. Ein Wind in den Bäumen, dass man am liebsten aufsatteln möchte. Kühl. Alles verdeckt hinter einer grauen Wolkenwand, die mehr wie eine graue Decke daher kommt. Aufatmen und auch heute dem typischen Treiben wie schon seit Monaten frönen. Ob man sich strafbar macht ist keine Frage. Man stellt sich drüber, über die Dinge. Da haben ja schon ganz andere und in einem wesentlich größeren Umfange, also von dem her sollte das kein Problem werden. Ach, und wenn, dann ist es ja letztlich auch vollkommen gleichgültig. Wie alles eben vollkommen gleichgültig ist. Jedes Ding, jede Sache, jedes beseelte Wesen hat die gleiche Gültigkeit. Dass man sich öfters mit solchen Erkenntnissen mal beschäftigen sollte. Ob es tatsächlich Sinn macht sich um seine Gesundheit zu sorgen, stellt man mal zur Diskussion. Einige, die Kuren nun machen. Saftkur gegen Gelenkschmerzen. Mal alles Gift komplett aus dem Körper führen, u.U. auch mit Einlauf. Lauwarmes Wasser und dann mal so richtig aufräumen. Dass sie Angst haben, ansonsten versteht man nicht den Antrieb. Dass sie unsterblich sein wollen und sich so schwer tun mit der Tod-Akzeptanz. Um diese Uhrzeit immer schön still. Vom Tourismus noch wenig zu spüren, zu hören. Die fallen ja immer ein, als seien sie monatelang eingesperrt gewesen und dürften nun endlich mal wieder die Sau raus lassen. Gefangene ihres eigenen Lebens, die im Urlaub nach ihrer Fasson leben wollen. Aber natürlich. Die zeitliche Begrenzung ihrer Freiheit, die kurzfristige Glücksempfindung verschwindet rasch, wenn man nicht das vorfindet, was man erwartet oder auch erwünscht hat. Man zückt Handys, schiesst Fotos, die sofort weitergeleitet werden an zuständige Stellen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Unternehmen mit miserablen Dienstleistungen in den Ruin zu treiben und so die Spreu vom Weizen zu trennen. Internetportale. Der Nutzer „postet“ die Missstand, vergibt Sternchen und beruhigt sich auf die  Weise, dass manch ein Unternehmer schon einer Klage ausweichen konnte. Wen interessiert das eigentlich? Gleiche Gültigkeit. Was für dies gilt, gilt auch für jenes – nur zum Verständnis! Heute lautes Zwitschern und eher Belästigung, als Entzücken. Der ständige Wind. Immer auch die Fenster geöffnet, um frische Luft in die Gemäuer zu lassen. Eigentlich ist der Mensch Bestandteil der Natur, aus ihr kommend, in ihr weilend, somit müsste man doch auch in der Natur wohnen, leben, also hausen? Dass der Höhlenbau im 21. Jahrhundert ganz dem Weibe überlassen wird. Emanzipation im Wald. Dass man sich mittlerweile ekelt vor diesen Gestalten. Die Skizzen in der Hand, das laute Gesabbel, wo und wie und was. Pfennigabsätze auf Estrich. Stupsnasen, in denen man immer die Popel sieht. Das lächerliche Hin und Her Gerenne dann auf den Bauplätzen. Aussuchen der Einrichtung, Bestimmung der Wandfarbe, aber immer alles nur Vorschläge. Das kann man doch diskutieren. Du musst den Mund aufmachen. Das sind doch alles immer Vorschläge. Macht man den Mund auf, bekommt man zig Argumente, warum es gerade so wie sie es sich ausgedacht hat, am besten ist. Und von daher braucht man gar nicht den Mund aufmachen. Schweigen über Betonmischern. Gedanken an einen Vorgarten. Erinnerungen an den Schrebergarten der Eltern. Die Wichtigkeit ihrer Tätigkeiten. Dass es da noch etwas zu reden gab. Wie man das Einbringen der Pflanzen besprach. Die Ernte vom letzten Jahr. Fast war man Besitzer einer großen Produktionsanlage… der Natur. Also vielleicht raus und ein Zelt bauen? Heute bespricht man die Kurzweil im Fernsehen. Dass sich Menschen tagelang, monatelang mit dieser Kiste und dem, was da raus kommt beschäftigen, einfach aus Interessenlosigkeit an anderen Dingen. Aber welchen Dingen denn? Was soll man denn machen? In die Natur gehen. Lesen. Denken. Still halten. Anhalten. Vielleicht.

Wie man den Tag beginnt? Das darf man mich nicht fragen. Heute ist es ja nach meinem Geschmack: Wind: hierhin und dorthin. Mal Wolkenhimmel, mal blauer Himmel. Schauer. Heftige Schauer, dass die Blüten sich ducken. Kaum Leute auf den Straßen. Gut das. Unbeherrschtes Auftreten heute vermeiden. Sich mal tatsächlich beobachten, ob und überhaupt. Man sieht das ja immer erst hinter her. Jedenfalls von den äußeren Gegebenheiten mehr als komfortabel. Zunächst mal die Geschwindigkeit bestimmen. Den Stoffwechsel anregen und ein heißes Glas Wasser hinunter gespült. Ein Blick auf die Uhr, dass man das jetzt beobachtet, wie lange bis zum Stuhlgang. Nicht mal zehn Minuten und dann aber rasch. Heute also mit positiven Gedanken an den Tag. Arbeit gibt es nur wenig. Dummes Gekritzel für nichts. Alles ist sinnlos! Dass man sich sowas mal notieren müsste. Und wofür man sich so her gibt! Winkende Blütenäste vorm Fenster. Als grinsen sie zu einem hinein und amüsieren sich über meine Blödheit. Ein Schritt dann auch das Lenken eines jeden Gedanken. Wo man eigentlich hin will? Man weiß es nicht. Nicht nur heute. Währenddessen wird im Haus schon geräumt und geputzt. Das sind die Menschen mit den großen Aufgaben. Dass man sich früher immer wieder angesprochen fühlte, teilhaben wollte und sich anbot zu helfen. Heute das ganze als ausgemachte Blödheit empfindet. Das ist ein Kind. Es möchte teilhaben an dem, was andere tun, möchte mit gestalten, sich als Teil der Gruppe fühlen, von allen lernen. Dass man heute das belächelt. Weiter dann mit Vorhaben, die alle durchweg gestrichen werden, nach der Erkenntnis: Alles ist sinnlos! Wieder ein heftiger Schauer und das Bollern der Trolle im Haus. Auf Beton und Estrich dieses Wummern erzeugen…. jetzt komme ich. Wer kräftig auftritt und auch sonst mit Lärm auf sich aufmerksam macht, hat immer ein Bedürfnis. Stimmen vorm Fenster. Dass man sich doch nach draußen wagt. Bewaffnet mit Regenschirm und Outdoor-Jacke. Man versteht nichts, weder draußen noch drinnen. Es geht plötzlich kein Lüftchen mehr. Vögel zwitschern, immer wieder Vögel, die zwitschern. Warum auch nicht? Dass Geräusche die Luft bewegen. Wie die Schwingen der Vögel. Dass Geräusche Energien erzeugen. Wie die Rotorblätter der Windkraftanlagen. Totale Stille mit positiven Gedanken. Heute mal wirklich an sich halten. Denken bevor man redet. Zwei Räume sich denken. Hier und Dort. Hier das Hier. Dort die grüne Wiese. Sich nicht beherrschen lassen vom Hier. Hinaus treten und auf der grünen Wiese stehen. Dass Naivität von Vorteil ist.

Dass man auch bis mittags schlafen kann, allerdings ein schlechtes Gewissen nicht unbedingt für die zukünftige Arbeit förderlich ist und man von daher besser mit der Weckuhr aufsteht. Das machen alle! Sicher kann man den Tag verplempern und warten, dass das Damoklesschwert auf einen nieder fällt, allerdings hat sich erwiesen, dass kein Schwert jemals auf einen nieder gefallen ist, schon eher sind die jeweiligen dann doch aufgestanden, passten sich an und wollten auf diese Weise Mitglied werden, in der Gesellschaft. Ehe irgendwo dieses Schwert hernieder saust, kriegt man es doch mit der Angst zu tun, die einem schon früh in die Wiege gelegt wurde und erhebt sich aus eigener Kraft; man gibt sich dann seinen eigenen Lobpreisungen hin, ohne zu begreifen, dass es ein falscher Antrieb war, der da zuständig für ist. Dies zu erkennen und auch auszusitzen, ist dieser Tage meine Aufgabe. Heftiger Sturm vorm Haus. Auch vom Klöppeln des Bauarbeiters, der zuvor aus einer gemauerten Wand heraus genommene Steine säubert, um sie wieder in die Wand zu setzen. Beschäftigungen gibt es überall. Nein, man hat ja auch gewisse Vorstellungen, wie etwas auszusehen hat. Dass es am Geld nicht mangeln soll. Ach, das? Egal! Winkende Äste, wie immer. Dies Dauergrinsen der Blüten macht einen dann irgendwann auch mal aggressiv. Ständig winken sie und fordern einen auf, man solle gefälligst mit ihnen in die Pötte kommen, als hätte man den Saft des ewigen Lebens intus. Dass man einzig die Willenlosigkeit erkennt. Wie sie sich hin und her pusten lassen, manche brechen, andere verbiegen sich dermaßen, dass der Saft aus der Rinde tritt, wieder andere verbergen sich zwischen stärkeren Ästen. Die unteren bewegen sich kaum; geschützt halten sie Stand. Die Oberen werden heftig geschüttelt, dass ihre Blüten fallen. Man weiß um sein Schicksal. Erkennt die Eigenblindheit auch, aber trotzdem kein Aufschrei. Auch der Umstand der Freiheit. Dass man hier leicht verwechseln kann, was denn nun tatsächlich Freiheit ist oder doch nur Ignoranz. Dass man schnell bewertet, ohne sich der Sache ganz und gar anzunehmen. Dass man eigentlich nur bewertet und danach handelt. Oh, is that so? Genehm oder nicht genehm? Differenzieren. Dass die Autos hier immer so schnell über das Kopfsteinplaster fahren und man immer an diese Kette der Polizei denken muss. Ausgeworfen, dass alle vier Reifen platzen. Warum auch nicht? Seit Tagen keinen Gang. Erst wenn wieder Ruhe ist. Im Kopf und im Herzen.

Mittag!

Kalt. Nicht nur die Herzen, auch das Wetter. Im Rauschen des Einerleis wieder mal nur eine grauweiße Lackschicht am Himmel, die sich nicht mal mit Terpentin entfernen lässt. Wozu auch? Nach dem Gang, jetzt wieder ehrgeiziger, gleich an den bekannten Arbeitsplatz. Wie man da bombardiert wird mit Irrsinn. Feststellung schon am Morgen: Da ist doch alles still, bias auf die paar Vögel, die Irrsinn tobt im Kopfe. Wind, Freitagswind vom Land aus, über die Felder, die ersten Gülletransporte, ansonsten komplett verpennter Tag. Kaffee zur Genüge. Schon kurz auch vorm Streit gestanden. Dass man schon sein Leben planen muss. Jede Handlung, jeder Gedanke ist für die Zukunft verantwortlich. Und wenn man in die Stadt fährt, dann nicht eben nur so, sondern man sammelt praktisch Gründe, bis man soviel vorzuweisen hat, dass eine Autofahrt ohne schlechtem Gewissen vollzogen werden kann. Das kostet Geld. Das ist umweltverschmutzend. Man gurkt doch nicht einfach so in der Gegend umher. Dass man sich schon Gedanken machen muss. Wozu denn das Hirn letztlich da sei? Natürlich um zu entscheiden, was Sinn macht und was nicht. Jede einzelne Handlung muss doch hinterfragt sein; wo kämen wir denn hin, wenn wir einfach so nur aus dem Bauch heraus entscheiden würden? Dass es wichtig ist solche Sache bewusst zu entscheiden. Also fährt man nicht mal eben in die Stadt hinein, sondern wartet bis sich mehrere Gelegenheiten bieten, die eine schreckliche Autofahrt erlauben. Dass man sich tatsächlich sein Leben organisiert, bis hin zur Lächerlichkeit. Andererseits ein unterentwickeltes Umweltbewusstsein. All die verbesserten Lebensbedingungen gelten nicht für unsereins. Wir haben das auszubaden, was andere angestellt haben. Was denn? Und wieso? Dass es nun mal keinen Sinn macht, die Umwelt unnötig zu belasten. Eine Fahrt nach der anderen… das ist doch stupid!

Von Vorteil, wenn angenommen wird, man stehe unter irgendeinem Zwang, ob nun wirtschaftlich oder anderweitig. Dass man in Ruhe und Eintracht mit sich dies akzeptiert und in keiner Weise dagegen sprechen sollte. Wie auch Dummheit von Vorteil ist. Absichtliche Dummheit zeugt sogar von Intelligenz; dass man sich gewaltig irrt, wenn man annimmt, man sei der alleinige Kompetenzkandidat. Sie alle in dem Glauben lassen, dass mich das mehr als beruhigt. Keine großen Veränderungen daher, was ja auch beabsichtigt war und ist. Nebenwirkungen nur noch dieser aufgeblasene Ballon im Bauch. Als hätte man die Gaspulle verschluckt. Tage folgen auf Tage und Woche auf Woche; die Zeit vergeht. Allerdings finde ich die Geschwindigkeit immens. Rein gefühlsmäßig nur ein Hauch vom Rennen entfernt. Dass man nichts aufhalten kann. Hier mal einen Stock in die Erde treiben; hier stehen bleiben, für eine lange Zeit. Dass die Zeit angehalten werden kann, wenn man sich mal nicht rührt, bewegungslos, gedankenlos, körperlos im Hier verankert. Untrennbar mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Wie der Wind wieder rauscht. Ein Leben im Rauschen der Zeit. Von oben her das laute Geräusch der Flugzeugmotoren, die alles um sich her vertreiben. Dass wir ganz gut daran tun, uns mal zurück zu nehmen.

Heute den Gang ausfallen lassen. Der typische Samstagmorgen rief von hinten. Diese romantische Vorstellung in einer „normalen“ Familie zu hocken, mit dem Frühstücksei und heißem Kaffee. Stattdessen die Mücken vertreiben und sich abplagen an Schrift und Bild. Dass man sich dann ja doch selbst belogen hat. Noch heute Warten auf die eine Begegnung. Immer und immer wieder dreht es sich im Kreise und man findet keinen tatsächlichen Ausweg. Im Wissen allein ist keine Lösung verborgen. Allein mein Handeln kann den Umstand ändern, nur das eigene Handeln ist wichtig für das Fortdauern dieser begonnenen Ochsentour. Dass ich es weiß, verändert es nicht. Jeden Tag eigentlich der Wille zur Änderung, aber dann doch gefangen in den alten Konventionen, in alten Mustern, Ketten, die man lösen muss. Von Vorteil auch, wenn man nicht mitläuft mit ihnen.

Sonntag, sogar mit Sonne. Aber noch immer kalt. Vieles andere erledigt, wie immer. Seit 5.30 Uhr lärmt der Bauer mit seinem Trecker. Der muss es nötig haben. Das sind immer auch Aufgaben, die sich nicht verschieben lassen, so was muss getan werden. Jedenfalls argumentieren alle so und glauben tun sie es ja sowieso. Letztlich ihre Entscheidung und daher die Konsequenz, es zu tun oder zu lassen. Aber am Sonntagmorgen? Und so früh. Man war ja sowieso wach, an Schlaf nicht mehr zu denken, seit den gestrigen Ereignissen. Nun kommt auch mal hier so eine Konsequenz und man hat zu zahlen für all seine Dummheit, mit Schlaflosigkeit und Münzen. Das Aussitzen ist nicht einfach, wie eben auch andere Verpflichtungen, die man ignoriert hat. Warum, weiß niemand. Dass es doch immer nur ums Persönliche geht ist ersichtlich. Auch wenn man sich bemüht an Inhalt und Ausdrucksweise zu feilen, es fliesst dann so dahin und man kommt ganz von allein zu all diesen Erläuterungen, weil sie hinaus müssen, weil man sie nicht einfach so ständig weg schlucken kann, sondern die Befreiung will. Das allein ist der Grund auch für Öffentlichkeit. Nun wieder Stille. Die Gülle scheint verladen, der Trecker stumm und er, der Bauer hockt vielleicht beim Tee mit Frau und Kindern. Was kümmert es einen überhaupt? Heute die Strafe erkannt. Dass es gerecht zugehen muss. Dass jeder seinen Aufgabenbereich hat. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder? Dass man sich anzupassen hat, einzuordnen und dass es von Vorteil ist, sich an all das zu halten, was vorgegeben ist. Man schläft einfach besser. Eben genau der Grund, warum es klug scheint, dumm zu sein. Der Kopf leer wie ein großes dunkles Loch. Da ist nichts drin! Zu viel Gedanken rauben einen doch nur die Ruhe. Heute noch frei aber. Den Abend auch möglichst weit in die Länge ziehen. Wie damals. Weil man nicht schon wieder in die neue Woche wollte, streckte man den Sonntag bis zum Zerreißen in die Länge und gähnte und gähnte, wollte aber nicht, nein, nicht schon wieder und irgendwann dann doch. Ein Trost auch immer, dass dieser Tag uns so befreit. Dass man sich so gefangen fühlen kann? T.B.: Der auf dem Land Lebende verdummt mit der Zeit, ohne dass er es merkt, eine Zeit lang glaubt er, es sei originell und seiner Gesundheit förderlich, aber das Landleben ist überhaupt nicht originell, sondern eine Abgeschmacktheit für jeden, der nicht auf dem und für das Land geboren ist, und es ist seiner Gesundheit nur schädlich. Die Leute, die auf das Land gehen, gehen auf dem Land ein und sie führen eine wenigstens groteske Existenz, die sie zuerst in die Verdummung und dann in den lächerlichen Tod führt. Einem Großstadtmenschen empfehlen, auf das Land zu gehen, damit er überlebt, ist eine internistische Gemeinheit, dachte ich. Alle diese Beispiele von Leuten, die aus der Großstadt auf das Land gegangen sind, um dort besser und länger zu leben, sind nur fürchterliche Beispiele, dachte ich.

Innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich das Umfeld hier in ein Schlachtfeld. Am Fenster brausen Traktoren vorbei, als brächten sie Munition zu den Schützengräben. Dienstleister im Sinne der Gesellschaft. Autos rasen über Kopfsteinpflaster, als hätte sie wichtige Informationen für die Kommandozentrale. Gegenüber ein Gebrülle zwischen Kanonenschüssen. Der Krach der Maschinen macht ein normales Sprechen unmöglich. Nachschub vom Traktor für das Vieh. Und man muss fertig werden. Man muss fertig werden. Alles, was man tut, hat ein Ziel, einen Sinn. Einen Wert. Als ginge es um Territoriumsansprüche, die zunächst verhandelt und dann eben verteidigt werden müssen. Nicht? Und dass man gewisse Ansprüche an das Leben hier hat. Nicht? Bei göffnetem Fenster kann man die Gespräche belauschen und kommt sich in die Schule zurück versetzt vor. Maße werden genommen. Und sie diskutieren Zahlen. Einssechsundsiebzig. Dann wieder totale Stille, die durchbrochen wird von einem elenden Dröhnen der Feuerwaffen. Immer wieder auch Unverständliches. Einsneunundvierzig. Der Weckdienst funktioniert jedenfalls. Heute also wahrlich keine großen Vorhaben. Erst später wieder etwas zusammen reißen und sich mal dies und das vornehmen. Nicht? Dass es darauf ankommt, mit was ich mich umgebe! Was tue ich den Tag über? Wie gestalte ich mein Leben? Gibt es einen Wert? Ein Ziel? Dass es vermutlich nur die Diogenes Tonne wird. Nicht? So etwas wie „freiwillige Besitzlosigkeit“. Nicht? Dass es keinen Sinn macht den Schafen hinter her zu laufen. Wenn ich nichts in ein Gefäß schütte, bleibt es leer. Wenn ich zu viel in ein Gefäß schütte, läuft es wohl über. Nicht? Und wenn ich das Gefäß zerschlage, kann ich es gar nicht befüllen. Dass es immer nur darum geht, etwas zu befüllen. Alles soll einen Inhalt besitzen. Einen Wert. Nicht? Ganz gleich, was dieser Inhalt ist. Inhalt kann auch Leere sein. Inhaltslosigkeit. Etwas, in das man hinein sieht. Etwas, in das man hinein ruft. Ein Ruf in die Leere.

Dass man ab und an tatsächlich ein Ende herbei sehnt. Woran das liegt und wie so was zustande kommt, ist gleichgültig. Es ist da und somit nicht diskutierbar. Auch nicht verhandelbar, weil es existiert. Erschreckendermaßen holt man dann doch rasch aus zum Rundumschlag und sucht sich die Verantwortlichen andernorts, nie bei sich selbst. Erkenntnis ist unsere Sache nicht. Dabei wäre es einfach: Die Ursache bin ich selbst. Weitere Beispiele gnadenloser Selbstbeschauung. Dass man nichts hinzu zu fügen hat zum großen Einerlei und von daher schon die Eintrittskarte zum Austritt ausgehändigt werden müsste. Dass es kein Scheitern gibt. Wie man auch heute wieder alles ignoriert und sich dem Einen unterordnet, was immer das sein soll. Diese lauten Stimmen rauben alle Konzentration und man hält inne, wartet geduldig bis sich die Stimmen senken, bis die Ruhe einkehrt. Aber selbst wenn das Zwitschern der Vögel in den Ohren schmerzt, man die Stirn runzelt, sich verstecken will, weiß man um sich.