Dangast Journal II

II

 

Man dachte schon, es sei wieder soweit. Dies weiße Gesicht am Morgen, dass man beinahe erblindet. Und direkt ins Fenster herein und in die Augen. Nun aber doch Entwarnung: grauer Himmel. Die Decke übergeworfen und schon etwas Atemnot. Aber: gut so! Dass man die Abgeschiedenheit immer mehr geniesst und sich verbarrikadieren will vor all den Gaffern. Letztlich ist es Austausch von Gedanken, nie wirklich eine Anteilnahme. Und warum auch? Vorm Haus, der kurze Baum, ein Bäumchen noch, die Knospen so dick wie mein Daumen. Unkraut allerorts. Und dass dieses idiotische Gaffen eben auch nicht die Gedankenflut vertreibt, sondern hier wieder nur Aktion und Antreiben. Wie man aber auch die Zeit verplempern kann! Wenn man die noch in die Gewalt brächte, in seine Gewalt! Dass es vollkommen gleichgültig wäre, was man täte oder nicht täte. Wie die Elohim. Hinein in die Welt und die Zeit umschiffen. Dass sich der Mensch ändern müsste. Wie man im großen Verbund nur zusammen leben kann, wenn es nicht mal als Paar funktioniert. Nun: der Umstand wäre ein ganz anderer. Aber so?

Jedes Türschlagen versetzt einen in eine Lauerstellung. Das Rattern der Motoren auf offener Straße. Das man sich umschaut, paranoid, überall Hinterlist wittert und niemanden vertraut. Unkraut allerorts. Ob man davon ausgehen kann den Menschen an sich eigentlich zu mögen? Und wie man darauf kommt?

Dass es doch eigentlich ganz einfach ist: zu vereinbartem Termin und nicht ´ne Stunde eher! Was die nur im Kopf haben? Als sei man ständig abkömmlich! Ich hab´noch nicht mal geduscht. Aber: jeder in seinem Film! Jeder der Hauptdarsteller, jeder die Paraderolle. Man muss aber auch nicht alles kommentieren! Heute Sonne: also doch! Gestern erste Anzeichen von Erblindung. Es dauert immer eine Weile bis man diesen Umstand der Helligkeit akzeptiert hat; ich auf alle Fälle. Aus der Höhle heraus getreten und den Pelz geschüttelt. Dies Getue auch im Frühlingsreigen. Ist ja so gar nicht mein Fall. Von mir aus im Lämmerregen verausgaben, aber ohne mich. Dass es bessere Zeitvertreibe gibt. Und überhaupt: Diskussionen ersparen, sich öffnen, um besser getroffen zu werden. Such die große Liebe, damit sie dich töten kann. Ach naja, pathetisch eben. Noch immer kein Vogelgezwitscher. Die werden allmorgendlich vertrieben vom Gelärme der Bauarbeiter nebenan. Gab es das schon immer: Radios auf den Baustellen? Wohl damit die bloß nicht auf einen eigenen Gedanken kommen. Man könnte ja das Tun hinterfragen. Man könnte ja sogar aufbegehren. Schlimm: diese Moderatoren, Verbündete der Arbeiterklasse, jedenfalls geben sie sich so! Heute Freitag!!! Hahaha… Heute Wochenende. Als ob jeder bekloppte Bauarbeiter auf´s Wochenende wartet. Macht er wohl auch! Aber das Gedröhne im Freien. Unmöglich. Kulturuntergang allerorts. Unkraut und Lärm. Dass man in der Natur spazieren geht und die dämlichen Moderatoren von NDR 2 oder 1 oder 4 oder 3 oder was, über die Felder quaken. Niemanden fällt das auf. Wahrscheinlich höre ich auch deshalb keine Vögel. Die sind alle ausgeflogen. Wie sie dann auf den Baustellen miteinander brüllen, weil das Radio so laut gestellt ist. Dass man eigentlich traurig sein sollte, aber wütend wird. Brot und Spiele. Man kann sie beneiden, aber tauschen möchte man nicht. Noch mal Tonio Kröger lesen… unser Holden Caulfield. Oh ja, haben wir auch. Aber eher ein durch durch astreiner Künstler, vielleicht sogar etwas snobistisch. Auch bisexuell. Dass man es kaum erträgt und doch weitermacht wie bisher. Schönes Wochenende. Das Ende der Woche. Das Ende von etwas. Das Ende beinhaltet immer auch den Anfang. Wochenanfang. Der Anfang der Woche. So ein Blödsinn…

Man weiss das ja: dass sie kommen werden, alle wieder da! Aber man verdrängt das auch. Will auch die Erwartungen bloß nicht erfüllen. Jetzt ist es nämlich richtig da, das weiße Gesicht am Himmel. Kein Versteck mehr. Jetzt dringt in jede dunkle Ritze das Licht der Wahrheit. Und auch das Unwohlsein dabei, dass man ja eigentlich abgelegt hatte. Erneut zurück. Beim Gang heute, kurz vor der Baustelle, ein elender Gestank in die Nase geschlüpft: Männer-Parfüm! Grauenhafte Angewohnheit. Aber noch viel irritierender der Umstand, dass dieser Gestank einem am frühen Morgen mitten auf dem Dorfe zwischen Bauernhöfen und Kuhstall in die Nase weht. Woher das dann kommt? Der Blick rüber und: niemand zu sehen. Gottes heiliger Tag ist erst doch morgen. Wieso arbeitet hier denn niemand? Radio aus. Baustelle verlassen. Vor mir dann die nächste Köterbegegnung. Wenn man früh morgens den Gang macht, eigentlich nur Köterbegegnungen. Von weitem schon das Abschätzen, ist der nun brav und wedelt dämlich mit seinem Schwanz? Den Hundehalter ansehen, das gibt Aufschluss. Kann ja auch sein, dass so ein Köter am frühen Morgen schon auf Krawall aus ist. Was weiß ich denn? Immer diese Habachtstellung. Und schon am Morgen. Fehlt doch tatsächlich die Entspannung. Relaxen. Als der längst verstorbene Ulrich Schamoni in seiner Berliner Villa diesen Film drehte… na ja, er war schwer krank: Leukämie, Blutkrebs. Zeichnete aber seine letzten Tage auf und erzählte dabei so herrlich schöne Geschichten. Das war mal relaxt! Aber wer guckt sich schon Ulrich Schamoni an? Man nennt sich Schamoni, heisst aber Albrecht oder so! Selbstverliebte Masche. Das Jahr der Kröte? Abschied von den Fröschen? Oder so was! Schnell vorbei. Der Köter blickte die ganze Zeit zu mir. Wir kamen uns näher. Ich dann die harmloses Miene aufgesetzt und er schnupperte wieder an den Pisseblumen. Durch den Sand. Im Treibsand verschwinden und am anderen Ende wieder raus kommen. Keine Begegnung weiterhin. Also los und die Geschwindigkeit erhöhen. Komme dabei mächtig ins Schwitzen. So was gab es früher nicht. Man war sich viel zu schade für diese Bewegung. Heute allerdings liegt der Fall dann ganz anders. Man hat sich einzureihen und auch wenn einem das Hirn immer noch weißmachen will, am gehöre in eine andere Kategorie, es ist eben nie so gewesen. Und von demher! Genau! Einreihen und weiter marschieren. Im Wald dann. Da kommt die Sonne nie hin. Alles nass, feucht. Dort, wo die Egel gedeihen und sich vermehren. Alles verschimmelt. Durch die Baumspitzen schon etwas Licht, gerade so viel, dass man nicht stolpert. Dann endlich hinaus. Ach, man wartet bereits. Dass ich so was nicht erwartet hätte. Die Tür versperrt und einige Leutchen schießen kleine Steinchen mit ihren Füßen vor sich her. Langeweile. Endlich konsumieren. Ich aber runter zum Wasser und wieder Köteralarm. Die hässliche Haltung einer Dogge, wenn sie den Rücken krümmt und so diese lange Wurst aus dem Arsch in den Sand fallen lässt. Mit den Füßen zu geschaufelt, fertig für heute. Morgen dann wieder. Am Hafen der verträumte Blick. Das Wasser liegt ganz ruhig. Festhalten. Unten am Kahn ein Fischer. Keine Zeit, also weiter, wieder die Geschwindigkeit finden. Das Gatter öffnen und dann zwischen den Lämmern umher wandern. Auf dem Deich mit Blick zur anderen Seite. Auf den Fährmann wartend und den Taler schon in der Tasche. Wartend, das ist der einzig sinnvolle Zustand für den Menschen.

Seltsamer Umstand: man erwacht und hantiert wie immer in den typischen Mustern herum, trinkt seinen Morgenkaffee und beginnt den Tag mit seinen Aufzeichnungen. Dann, ein kurzer Blick nur auf die Uhr am Computer und man ist erschüttert. In der Nacht wurde tatsächlich die Zeit, nach der wir uns alle hier zu richten haben, eine Stunde vorgestellt. Aus zwei macht drei Uhr. Dass man völlig konsterniert in seiner Tätigkeit innehält und eigentlich am liebsten laut aufschreien wollte. Das passiert, wenn man allzu verschlossen durch die Welt marschiert und eigentlich nichts mehr mitbekommt von dem “ da draußen“. Am Ende aber dann doch Akzeptanz, Gleichmut, kein Stress, Ruhe bewahren und… […] sie können konsumieren wie immer, also keine Panik!

Immer wieder der Blick nach oben, als sei dort das rettende Seil gespannt, das hinauf in den Himmel führt. Aber nichts baumelt einem vor der Nase. Nur auch immer wieder neuerdings der Gestank der vorbei streunenden Männer in eine Parfümwolke eingehüllt. Ob der Himmel noch aufreisst? Sollte die Wolkendecke sich heute nicht heben und ein strahlendes Blau zum Vorschein bringen, besteht Hoffnung, nicht aus dem Haus zu müssen. Die Chancen sind gering. Einigermaßen flüssiger Wind, der die leichten Kissen auch mal auseinander treibt. Gestern schon die Nachricht mit einer Frage behaftet, ob man denn und überhaupt? Nein. Der Nachmittag war vergeben. Auch festgestellt, dass es reichlich Möglichkeiten der Täuschung gibt. Für sich und andere. Was ganz zauberhaft ist: das Taubenpaar, welches alljährlich in den Bäumen hier am Haus weilt, ist zurück und ich höre das Guru Guru… vom Elektrolurch.

Vorbereitungen allerorts. Dass man wartet. Die Säcke sind fast leer und stehen an den Straßenränder. Sie wollen gefüllt werden. Dass es am Ende nur darum geht: sich vom Konsum zu befreien. Gehwege. Straßenreinigung. Blumenbeete. Baumbeschnitt. Gartenmöbel. Stehtische. Eine Bank mit Blumentöpfen darauf. Dass der eigentliche Sinn der Dinge doch verloren geht. Beton. Klinkersteine. Drahtzäune. Wie man sich abgrenzt und die Gebiete absteckt. Hier und hier. Meins, deins! Das das mal klar ist. Wie man Besitz besitzt und auch wieder veräußert. Heute wenig Alarm an der Front der Köter. Junge Leute mit seltsamen Figuren. Man zwängt sich hindurch. Auch der Blick in die hündische Grimasse. Kurze Einschätzung und vorbei. Die Mädels alle durchweg stark übergewichtig. Das sind doch Anzeichen. Große Kerle, die ihre Arme an den Seiten links und rechts frei schwingen lassen; keine Toleranz, keine Gnade. Und immer die Stellung verteidigen, als sei Krieg.

Zeit. Dass, wenn die Zeit eine Stunde vorgestellt ist, zur Sommerzeit hin, wir jetzt in der Zukunft leben. Wir fliegen durch den Raum eine Stunde früher. Als wer? Und sehen wir jetzt mehr? Oder anderes? Sehen wir, was mit uns geschieht? Können wir die Stunden wahllos verstellen? Vor und zurück? Dass die Zeit nur eine Illusion ist. Zeit gibt es nicht. Nur die Wahrnehmung von Zeit. Und wen das interessiert.

Dass ist doch schon normal. So ein Eingriff gehört doch schon zur Routine. Überall das gleiche. Alles wird am Ende abgewimmelt, als hätte man eine allzu große Panik vor Dingen, die andere mit der linken Arschbacke absitzen. Man solle sich außerdem doch nicht so anstellen. Das Dilemma der Bewertung. Dass sie sich gehörig schämen sollten für Aussagen dieser Art. Man kann sich das nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Man hat sich das doch selbst zugefügt, oder etwa nicht? Warum sollte man sich denn nicht einer Meinung genehmen? Dass man derzeit zu empfindlich ist. Um einen herum alles abgehärtetes Menschenmaterial. Messingredner und Mannminerale. Großkotzig bis zur Übelkeit. Wie ich in ihre Seelen blicke. Dass es kaum möglich ist in Frieden, weil unsere Verletzungen uns gefangen halten. Von Angst beherrscht. Also jetzt dann aber doch: gestern schon die ersten Besuche; als warte man auf ihr dummes Gequatsche! Wie man sich so völlig verrennen kann. Und wie eine Borniertheit um sich greift, die kaum noch zu ertragen ist. Letztlich sitzt man zur Bespaßung herum und faselt daher. Dass das keinen Sinn macht. Dass man jetzt, gerade jetzt, um Ehrlichkeit bittet. Gespräche über Veränderungen. Eigentlich ein Austausch von Assoziationen, nicht mal Gedanken; nur so umher schwirrendes Denkensabfall; waberndes Denken, das greifbar gemacht wird durch das Wort. Langeweile nur. Aber dann auch den Weg gewiesen und verschwunden. Auch neue Erkenntnisse im Bereich der Kameradschaft: gesunder Egoismus. Sobald sie eigene Energie aufwenden oder sogar Eingaben finanzieller Natur machen, hört der Spaß auf. Ihre Börse ist das Heiligtum. Am Ende der Aufklärung steht das Goldene Kalb (M.F.).

Sonne. Die Gewöhnungsphase abgeschlossen. Nun auch bereit hinaus zu treten. Der Planet beruhigt sich auch wieder. Und dass die Fenster auf alle Fälle wieder mit Netzen versehen werden müssen, wegen der Insekten. Dass es sinnvoll ist, sich zu beteiligen. Allein Anwesenheit kann schon eine Wirkung zeigen. Wenig Beteiligung an der Kommunikation. Hier besser das Training absolvieren und abwarten, welche erfolge zu erzielen sind. Sie wird scheinen. Oh ja, sie wird. Sie muss. Weil sie nicht anders kann. Die dunklen Stellen mit Licht füllen.

Talent, Glück und Disziplin. Dass man sich hierbei auf die Disziplin stürzen muss, weil eben alles andere nicht beeinflussbar ist; somit: Ziele setzen und daran arbeiten, dass die Talentlosigkeit nicht sofort bemerkt wird. Das Glück kann man u.U. durch permanente Belästigungen auf seine Seite ziehen; allerdings kann dies auch leicht ins Gegenteil umschlagen. Hier: Vorsicht. Man tut gut daran sich den Aufgaben des Lebens zu stellen. Vom gnadenlosen Leben, das uns umgibt. Heute noch Glück. Regen da draußen und verdunkelte Welt. War ja auch zu früh, so mit Sonnenschein und stille Wasser. Man geht und empfängt eine Horde junger Mütter, die alle nach douglas´schen Substanzen riechen; komplett ausgerüstet in grellbunten Farben marschieren sie zwischen Lämmern auf dem Deich. Blick nach unten. Wie das so damals gesagt wurde, dass die Einheimischen erkennbar sind weil sie dauernd den Kopf nach unten halten. Ich nun also auch. Beim Vorbeirauschen nimmt man keine konkreten Stimmen wahr oder ganze Sätze, die gesprochen werden, obwohl sie sprechen. Ja, sie sprechen, aber in einer unverständlichen Sprache. Ich konnte sie noch nie verstehen und im Alter wird es immer schlimmer. Man will nun auch gar nicht mehr hinhören. Jedenfalls rauscht es an meinen Ohren vorbei und ich weiter allein gegen den Mittwochssturm. Der unterscheidet sich vom Dienstagssturm insofern, dass der Wind direkt von vorn bläst. Der Dienstagssturm kommt von der Seite, mehr links, also vom Lande her und daher ist er angenehmer als der Mittwochssturm. Der Donnerstagssturm ist erträglich, weil  dieser zumeist in den Rücken fährt und einen antreibt. Die Runde ist daher auch schneller beendet und so weiter… Dass man heute sortieren will. Vor allem… bevor jeglicher Tat, vor allem heute die ausstehenden Antworten geben. Rückrufe werden nicht getätigt. Es bleibt dabei, so ein Tag im Regen gehört der vollkommenen Aktivität im Hause. Dass es sinnvoll ist sich zurück zu ziehen. Dass man nie genug Ruhe bekommt, was auch am plappernden Kopf liegt, sicher. Das Rauschen ist immer gegenwärtig. Eben die JummJumms, die über den Asphalt preschen. Und wie man sich im Innern dieser Vehikel wie ausgewechselt fühlt, weil man der Anerkennung des Besitzes sicher sein kann. Innen und außen, ein gewaltiger Unterschied. Etwas zu besitzen, dass offenlichtlich eine Stellung in der Gesellschaft beschreibt, rein materiell, verändert.

Das normale Leben und was das überhaupt ist? Wie man so mittlerweile einige Jahrzehnte rumgebracht hat, auch ohne gesellschaftliche Anpassung. Dass die Gesellschaft etwas zurück erhalten muss/ soll. Wofür? Und warum? Dass man auf Kosten des Staates als Anhängsel zu nichts tauge und sich bemühen muss. Von allein geschieht nichts. Wie man nach Ausreden und Rechtfertigungen sucht, um eben nichts zurück zahlen zu müssen. Dass man es gar nicht einsieht und man nach all den Strapazen auch eine Befreiung verdient hätte. Wie man ständig nach der Extrawurst ruft und ruft und doch nur die Überbleibsel erhält, als Dank für eine konsequente Erfüllung sämtlicher Erwartungen und Pflichten. Das normale Leben verabscheuend nach anderer Konsequenz schreiend, aber leider die Konditionierung so tief steckt, dass man sich nicht befreien kann und daher tatsächlich mitmarschiert. Wie immer eigentlich. Aber letztlich lässt sich das Schicksal nicht betrügen und man muss aus der Haut fahren, um wenigstens vor sich glaubwürdig dazustehen. Was andere denken oder tun hat doch gar keine Relevanz mehr. Nach anfänglicher grauen Regendecke Aufklarung da oben und zwar schon wieder derart, dass ich hier blinzeln muss, weil sie mir wiedermal in die Augen scheint. Immer da oben verankert, wie in einem großen Gefängnis und die Strafe verbüßen, die ihr angedacht war, auf immer zu glühen, ohne zu verbrennen. Schauderhafte Vorstellung.

[…]

Wenn man etwas weiß, aber nicht danach handelt: Dummheit? Faulheit? Auch! Ignoranz? Sicher! Dass man es immer wieder macht, ohne aus dem Kreis heraus zu treten. Dem dann aber auf die Schliche kommen, warum man so handelt, ohne zu handeln. Das typische Treckergelärme. Man fährt die Böden ab, streut aus, bringt ein und begrüsst das ewige Einerlei. Die Katze liegt auf der Fensterbank. Der Kaffee steht auf dem Tisch und eigentlich könnte alles sehr friedvoll und glücklich zugehen.

Es ist soweit: nun gibt es kein Zurück mehr; allerorts werden die Trompeten geblasen, das Getöne der Hunderttausend grollt in meinen Ohren und sie, sie steht einsam am Himmel und will einfach nicht verglühen. Die Temperaturen steigen stetig. Man überlegt sich Kleidung. Thomas Mann notierte in seinen Tagebücher sogar seine tägliche Garderobe: Seidenanzug. Leichte Leinenjacke. Im Winter 1922 kaufte er einen Pelzmantel für 2500 M. Irgendwie war der doch dekadent und total versnobt. Die Kühe stehen auf den Weiden. Mit ihren Stiefeln aus Mist und Dreck sehen sie aus wie Erdarbeiter. Dass sie jetzt wieder Licht sehen, heraus getreten aus dem Dunkel der Ställe. Kein Zurück also. Irgendwann ist die Phase der Wut dann auch überwunden und man akzeptiert diesen Umstand. Auch wenn es täglich schwer fällt sich hinaus zu wagen. Es bleibt ein Wagnis. Es ist immer ein Wagnis gewesen. Und so nun wieder, alljährliche Wanderung und den Blick ganz tief gesenkt. Durch überall, schnell durch und dann hinein in den Schutz der vier Wände. Die Tore und Türen verschliessen. Die Kabel kappen. Alles Fenster verbarrikadieren. Die Hunde hinaus auf den Hof und nun: kommt ihr elenden Hungerleider, ihr Besserwisser und Alleskönner, kommt und greift nach dem, was euch gebührt. Ich bin nicht da.

Heute bestimmt schon Temperatur im zweistelligen Bereich. Einige die das begrüßen und sich die Dunkelgläser aufsetzen, weil das verschönt. Eitel Machwerk. Auch während des Ganges den und die getroffen, so früh schon, dass man wahrscheinlich noch eher gehen muss, um allein gehen zu können. Sogar angesprochen wurde man: eine buntgeschminkte Dame im Rentenalter, ob man hier und wenn… Aber ja doch! Man ging dann einfach weiter, damit die bloß nicht auf die Idee käme, ein Gespräch vom Zaun zu brechen. Gespräche überhaupt. Man steckt voll und braucht nicht noch mehr. Kindergeschrei und tobende Winzlinge, die endlich hinaus dürfen. Dass die Gefahr der JummJumms immer bleibt und man wartet, vergeblich wartet, dass alles nach oben geht, in die Lüfte, abheben und endlich frei da unten alles. Forschergeist und Tatendrang. Heute eher verhaltenes Gebaren an der Künstlerfront. Man muss sich täglich treten.

Sich bewahrheitende Wetterprognosen. Freundlich gestimmmtes Selbst, das ins Grau wandert und sich dem Getöse entzieht. Der Parcour zwischen Lämmer und Schafsköttel. Keine Menschenseele, wo sich dann auch hier die Einschätzung bewahrheitete; früher noch gehen und den Blick dann erhobenen Hauptes. Wobei? Das Wochenende mit all den Sonnekonsumenten. In ihren Wohnmobilen blicken sie ebenso steinernen Blickes aus den Fenstern wie in ihren Heimen und Häusern. Viel Veränderung tut eben nicht gut. Der Gang dann doch schweißtreibend. Immer wieder die Gedanken an eine erneute Hinwendung zur Gesundheit. Dass es seltsamerweise von niemanden erkannt wird. Was auch besser so ist. Man dümpelt in der Masse. Somit: alles wie gehabt! Dass es aber trotz aller Widrigkeiten doch Anzeichen einer Besonderheit gibt und man auch mal vorgesorgt hat. Nun auch mal die Lorbeeren einfahren. Aber die lassen auf sich warten. Noch ist es so, dass jederman nur die Hand aufhält. Hier: mach´ma´eben! Nimm´ma´mit! Kannste nich´ma´drüber schauen? Die Knospen haben sich geöffnet und die Blüten machen sich total breit hier. Kaum noch Bewegungsfreiheit. Vom Zwitschern der Piepmätze mal ganz abgesehen. Nun bereits am Morgen, in aller Herrgottsfrühe. Abends dann das Gute Nacht Singen der Drosseln auf den Giebeln der Häuser. Als pfiffen sie um die Wette. Und manchmal wie ein Frage – Antwort – Singen. Was die sich wohl zu sagen haben? Wie überall: wo es die fettesten Würmer gibt. Schätze, dass da die Gattungen keine Ausnahme machen. Es geht hier nur um eine Sache. Den dicksten Fisch. Meinen Segen haben sie. Aber dass man sich nicht einreiht. Mit dem Nötigsten zufrieden sein und besser entspannen… „geh´mir aus der Sonne!“

Wie schon gesagt und allerorts befürchtet, teilweise ja sogar ersehnt, bitterlich herbei gerufen; es scheint der Frühling einzukehren. Die Gardinen zugezogen, auch weil man so auf dem Präsentierteller sitzt. Jeder, der hier vorbei geht, glotzt ins Fenster, als sei man eine Ausstellware, ´ne Dirne. Hatte auch schon Folie besorgt, scheiterte aber an der blöden Anbringungsweise. Viel Wasser und dann so Hilfsmittel, die man noch extra zu bestellen hat, alles frei räumen und sauber machen, sonst kleben kleine Krümel unter der Folie. Zwei Tage hielt der erste Versuch, dann riss ich den Scheiß wieder runter. Jetzt also wieder mit Rollos. In blau, die Farbe des Schutzes. Brücken bauen auf diese Weise. Leider ist es hier nicht möglich sich alle Utensilien aufzustellen und von Platz zu Platz zu hüpfen. Es ist eben ein Wohnhaus und kein Atelier. Dass genug Platz wäre, sicherlich. Dass man sich aber mit herrschsüchtigen Personen herumschlagen müsste, die glauben ein Recht auf die ewige Bestimmung zu haben; ihre Meinung ist die einzige, die Sinn macht. Alle anderen verwirrt, verrückt, in die falsche Richtung gelaufen. Von dem her… es bleibt wie es war. Jetzt auch Gedanken an die Weiterentwicklung der eigenen Fantasie. Dass Schule ja nun wirklich abgeschafft werden muss. Die Vorbereitungen auf ein wirtschaftliches Leben voller Konsum. Vorbei mit Spielen und Kreativität. Alles muss bewertet werden. Alles braucht einen Wert, damit wir es konsumieren können. Alles Lernen hat somit nur noch den Sinn, Wissen anzueigenen, das es einem ermöglicht so viel wie möglich konsumieren zu können. Das geht soweit, dass man sich ein Flugzeug kauft oder eine Insel. Mittlerweile werden Planten angeboten. Heute ist Sonntag. Ich halte inne. Alles dient mir zur Rechtfertigung und zur endgültigen Ausrottung sämtlicher Konditionierungen. Rechtfertigungen verlange ich selbst von mir, da die Konditionierung zu tief steckt. Ich erlaube und verbiete mir auf Grund jahrelanger Erziehung eine Lebensweise, die unangepasst oder eben angepasst ist. Dass man am Ende nur vor sich selbst Rechenschaft ablegen muss. Bist du glücklich? Im System der Angst oder im System der Liebe? Dass man nach wie vor wählen kann. Die USAmerikaner wählten ihren Präsidenten. Wieder dass alles Entscheidung ist. Ob man so oder so… und wen es kümmert, dass…

Sehr schön heute morgen während des Gangs: Köterwarnung, ein Bullenbeißer-Pärchen. Vor mir dann noch zwei Personen mit einem Bobtail; alles also diese englischen Hunderassen, die einzig zur Vergnügung der Idioten gezüchtet wurden. Bullenbeißer, heute Boxer, dienten zum Wettspiel und traten tatsächlich gegen Bullen an, verbissen sich in deren Nase und rangen sie zu Boden. Herrliches Schauspiel, wo man viel Geld verdienen konnte. Der Bobtail läufig, somit elendes Gekläffe am frühen Morgen, wenn ich meinen Gang mache. Ob man intolerant ist? Vielleicht auch zynisch gegenüber dieser… Idioten? Keine Ahnung. Dass es zum Glück auf alle Fälle Frost geben soll. Die Temperaturen merklich nach unten gegangen. Das weiße Gesicht versucht zwar immer wieder zwischen die Wolken hervor zu glotzen, aber die Massen sind zu viel. Gut so. Auch viel Volk unterwegs. Wo man sich fragt, ob es überhaupt noch einen stillen Platz gibt, außer das stille Örtchen. Man ist gereizt. Nebenan jetzt auch wieder Radio an und man muss dieses Gerede mit anhören. Informationen aus aller Welt. Dass es in Syrien ums Gas geht. Und dass es die IS gar nicht gibt. Eine Erfindung der… weiß auch niemand. Verschwörungen allerorts. Und: dass man besser frei macht heute. Nichts tun, das schwierigste am ganzen Leben. Selbst Glotzen ist ja passives Tun. So eine Art Berieselung. Und Radio hören auch. Lernen wieder nichts zu tun. Dass es eben diese tage gibt und man lernen muss, niemanden dafür verantwortlich zu machen. Auch wenn sie alle nerven mit ihren komischen Angewohnheiten. Hunde. Dass es Montag ist, heute. Für die totale Funktionalität ist auch heute wieder nicht gesorgt. Man dümpelt im ewigen Einerlei der Besorgungen und Erledigungen herum. Und in allem eben angelegt, der Tod. Dass man sein Ziel aus den Augen verlieren sollte, um neu zu sehen. Dass es wenig Sinn macht, die Wege zu gehen, die sie alle gehen. Dass es die Schule so gar nicht mehr geben sollte. Jede Art von Erziehung ist Freiheitsberaubung. Der Erstickungstod der Fantasie. Jede Art von Ausbildung ist Gehirnwäsche. Für die Wirtschaftlichkeit wird gelernt. Arbeiten und konsumieren. Spaß? Was ist das eigentlich? Dass man niemanden zur Verantwortung ziehen kann, was den Umstand erhärtet, dass man Schuld an diesem oder jenem Zustand ist, ihn hervor gerufen hat, verursacht hat. Ob man eigentlicvh überhaupt noch in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen, die nicht den Gestank einer Konditionierung haben? Ob man eigentlich noch in der Lage überhaupt etwas zu entscheiden oder ob das nicht alles schon vorher festgelegt war? Wie man mit der Verschwörungstheorie umgehen soll? Glauben sie, dass die USA tatsächlich auf den Mond geflogen ist und es danach nie wieder geschafft hat? Glauben sie, dass die Mondlandung ein Fake ist? Wie begründen sie das? Und: hat das EInflluss auf ihr derzeitiges Leben? Wie, wenn ja, wirkt sich dieses aus? Geben sie Beispiele! Glauben sie, dass der Anschlag auf das WTC im September 2001 eine Aktion „under false flag“ war? Mit Meilenstiefel in das wabernde Nichts aus Sonnenlicht und Langeweile. Das Piepsen am Abend. Zwitschern am Morgen zur Begrüßung. Unaufhaltsames Leben. Wie man sich Ruhepunkte setzt. Dass man den Vergleich immer aussparen muss. Dass es keinen Sinn macht sich anderen aufzuzwingen. Dass wir leider weit davon entfernt unsere totale Zusammengehörigkeit zu spüren. Und wie tragisch dieser Umstand für viele Menschen endet. Die Person, die in London drei Jahre tot in der Wohnung lag. Ihr Körper hatte sich im Laufe der Zeit mit dem Mobiliar vereint. Ein Körper aus Schaumstofffleisch. Dass man nicht nach seinen Instinkten handeln kann, auch wenn nützlich wäre. Die Sonne steigt höher. Die Wurmblüten sprießen beinahe. Wir gehen voran und warten nicht auf Nachzügler. Wir marschieren weiter und schaffen uns eine Welt.

Morgens schon Lärm und seltsames Stimmengewirr. Völlig neben der Spur und somit auch nicht ansprechbar; jedenfalls, wenn niemand will, dass eine Bombe hochgeht. Unterwegs Personen. Egal, wann man aufsteht. Demnächst mit Grubenlampe auf der Stirn des Nachts herum eiern, damit man nicht gestört wird oder auch noch sprechen muss. Unaufhörliches Gemurmel, was nicht zu identifizieren ist. Quäkig hoch bis unverständlich nuschelig. Dass man sich absprechen muss. Dass es nur um Absprachen geht. Niemand muss hier irgendwas persönlich nehmen. Schwierigkeiten der Konzentration. Draußen einfach zu viel Gerede um nichts: Das Herrichten der Höhle, so typisch weibisch. Dass man da sehr empfindlich geworden ist. Wie sie alle so über Grundstücke latschen, in Räumlichkeiten schon mit großer Vorstellungskraft einrichten, verrücken, zerteilen, aufschneiden und durchbrechen, da dann nur angeekelt wegschauen. Dass man tatsächlich die Schuld bei sich suchen muss. Hier also für ein paar lauschige Nächte das Leben verloren. Wie man sich am Ende nur selbst betrügt und sich mehr und mehr vernachlässigt, bis die ganze Scheiße in die Luft fliegt und alle dann verwundert drein schauen, weil der, da hat man jetzt nicht mit gerechnet und überhaupt, dass es soweit erst kommen musste.

Der Dicke in dem kleinen Trecker, blau mit Anhänger. Mal gerade so groß wie ´ne Sardinenbüchse. Dass man kurz hinüber schaut, aber er sehr versenkt ist, ins Lesen der Bild Zeitung. Typischer Anblick. Hat was Kuscheliges für eine Person. So etwas wie ein geschützter Raum, nicht nur wetterbedingt, auch psychisch. Man schaut von außen hinein, durch die Scheiben. Das Blättern fällt ihm schwer. Selbst die Bild Zeitung ist noch zu groß für diesen Innenraum. Auf der Ablage liegt die Plastikbrotdose. Erinnerungen an den Budenwagen, wo man mit den Bauarbeitern Skat spielte. War da die Welt in Ordnung? Irgendwie schon, aber auch nur, weil das Denken noch auf „stand by“ stand. Dass man ein Leben vor sich hatte, konnte man nicht fassen. Und wie bekannt die Nachahmunmgsversuche. Das Trinken schon am Morgen. Früher standen allerorts auf den Baustellen und in den Betrieben die Alkoholflaschen herum, heute dröhnt das Radio, weil der Alkohol verboten ist. Dass man Spaß hatte am Schaufeln im Sand. Wenn es dann auch noch bezahlt wurde, um so besser.

Der dicke Treckerfahrer ist total vertieft in seine Zeitung. Der Trecker wackelt leicht im Wind, der von seewärts kommt. Das komische Hantieren mit den Blättern. Oben dann sehr zugig. Man hat die Mütze mitgenommen. Lämmer, die wie immer im Windschutz dümmlich glotzen.